Hilfsmittel im Alltag mit Parkinson

Hilfsmittel im Alltag mit Parkinson

Viele Menschen mit Parkinson können heute, gerade in Frühphasen der Erkrankung, ein ganz normales Leben führen. Trotzdem sehen sie sich im Alltag und bei vermeintlich einfachen Tätigkeiten häufig größeren Problemen ausgesetzt als Menschen ohne Parkinson.

Um trotzdem Autonomie im Alltag zu erhalten gibt es zahlreiche Hilfsmittel speziell für Parkinsonerkrankte. Diese lassen sich grob in zwei Kategorien aufteilen: Hilfsmittel für Alltagsaufgaben und -tätigkeiten wie Essen, Trinken, Anziehen oder Waschen und Hilfsmittel im Mobilitätsbereich. Für beide Kategorien erfolgt nachfolgend eine Übersicht über erhältliche Hilfsmittel.

Die nachfolgend genannten Links zu Produkten stellen keine konkreten Empfehlungen dar, sondern sollen lediglich dazu dienen, eine bessere Vorstellung von der Art der genannten Produkte zu erhalten.

Alltag

Für viele der kleinen Alltagstätigkeiten gibt es Hilfsmittel, die speziell auf die Symptome von Parkinsonerkrankten zugeschnitten sind.

Essen

Essen und Trinken sind für viele Menschen nicht nur einfache Nahrungsaufnahme, sondern häufig mit sozialem Kontakt und vor allem mit Genuss verbunden. Doch gerade beim Essen stört der bei Parkinson häufig auftretende Tremor besonders.

Der Gyenno Löffel zum Ausgleich des Tremors

Hierfür gibt es allerdings einige Hilfsmittel. Einfache Besteck-Griffe können bereits für bessern Halt und einfacheres Greifen sorgen. Spezielle Löffelaufsätze, die schon für weniger als 15 € erhältlich sind, erhöhen die Kanten eines Löffels und sorgen so für geringere Gefahr des Überlaufens trotz Tremor. Weiterhin gibt es High-Tech-Produkte wie den Gyenno Spoon, einen Löffel, der das Zittern ausgleicht und so unbeschwertes Essen verspricht. Dieser ist jedoch preislich mit fast 250 € nicht für jede/n erschwinglich.

Sonstige

Auch bei der Essenszubereitung kann es durch den Tremor zu Problemen kommen. Hier können rutschfeste Unterlagen helfen. Auch Deckelöffner, die das Öffnen von Gläsern oder Flaschen mit Schraubverschluss vereinfachen können unterstützen, indem sie das Öffnen über einen Griff ermöglichen. Solche Deckelöffner sind schon für unter 10 € erhältlich.

Außerdem gibt es Knöpfhilfen für circa 10 €, also Griffe mit Metallschlaufen, die ein Greifen und Durchführen von Knöpfen durch die Knopflöcher erleichtern sollen. Diese gibt es sogar mit Haken an der Unterseite des Griffs, sodass auch Reißverschlüsse einfacher greifbar sind.

Die LockAid Schlüsselhilfe im Einsatz

Auch der LockAid Keyturner ist ein sinnvolles Hilfsmittel für den Alltag. Es handelt sich dabei um eine trichterförmige Erweiterung, die um ein Schlüsselloch angebracht werden kann. So wird es einfacher, das Schlüsselloch trotz motorischer Einschränkungen zu treffen. Er ist für umgerechnet 17 € in einem Online-Shop erhältlich.

Mobilität

Zusätzlich zu den motorischen Einschränkungen stellen neue Umstände in Bezug auf Mobilität häufig große Probleme bei Parkinson dar. Der parkinsontypische Gang wurde bereits im Rahmen der Symptome in http://novapace.de/krankheitsstadien-und-symptome-bei-morbus-parkinson/ vorgestellt. Auch Freezing wurde in diesem Beitrag bereits erwähnt. Nachfolgend wird auf beide Themen getrennt eingegangen, da sie auch unterschiedliche Unterstützung erfordern.

Mobilität

  • Gerade in der Anfangsphase können Nordic Walking Stöcke dabei helfen, große gleichmäßige Schritte zu machen. Sie fördern den bewussten Armschwung und den aufrechten Gang, geben Sicherheit und motivieren zur Nutzung eigener Ressourcen.
  • Rollatoren oder Gehstöcke hingegen bieten zwar ebenfalls Sicherheit und sind durchaus als Gehhilfe zu sehen, sie sind in Hinblick auf das bewusste und aufrechte Gehen jedoch ungeeignet. Eher sorgen sie dafür, dass man sich auf das Gerät aus Sicherheitsgründen verlässt und damit davon abhängig macht. Außerdem schränken gerade Rollatoren in einer Phase, in der sie noch nicht erforderlich sind, eher die Mobilität ein als sie zu fördern. In Krankheitsphasen mit deutlich eingeschränkter Mobilität hingehen ergibt es durchaus Sinn, Sicherheit durch einen Rollator zu gewinnen um überhaupt mobil zu sein.
  • Weiterhin können auch Treppenlifte zu Hause helfen, die Sturzgefahr beim Treppensteigen zu minimieren. Dies ist jedoch mit hohen Investitionen verbunden und hilft nur im eigenen Zuhause.
  • Auch Smartphone-Applikationen wie das Beats Medical System können unterstützen. Die App gibt durch akustische Signale einen Rhythmus beim Gehen vor und ermöglicht so Gangtraining. Jedoch ist die Nutzung immer an eine entsprechende Umgebung gebunden, die die Lautstärke zulässt. Alternativ müssen Kopfhörer getragen werden, die wiederum soziale Interaktion und Alltag einschränken.

Freezing

Das Freezing schränkt die Mobilität als Bewegungsstarre besonders ein. Um es zu durchbrechen helfen Impulse oder Rhythmen. Nachfolgend werden vier Geräte vorgestellt, die dies leisten und so im Alltag unterstützen sollen.

Path Finder von Walk with Path
  • Das Walk With Path System (532 €) wird an den Schuhen befestigt und projiziert Laser-Linien auf den Boden vor die Füße. So werden bei jedem Schritt optische Schranken auf dem Boden dargestellt, die es zu übertreten gilt. Diese sollen helfen, die Kleinschrittigkeit auf Dauer zu verhindern und und Freezing zu durchbrechen.
  • Der Parkinson Rollator (959 €) nutzt eine vergleichbare Technologie und projiziert ebenfalls eine Lichtschranke auf den Boden. Diese läuft jedoch nicht dauerhaft, sondern wird auf Knopfdruck im Falle von Freezing aktiviert. Der/die NutzerIn ist also selbst für den Impuls zum Durchbrechen von Freezing verantwortlich.
  • Auch der Anti-Freezing Stepper soll dabei helfen Freezing zu durchbrechen. Dazu wird zwischen die Räder eines Rollators ein Modul (circa 250 €) mit sogenannten Paddeln angebracht. Dabei handelt es sich um Metallplatten, auf die bei auftretendem Freezing getreten werden soll.
  • Der Anti-Freezing Gehstock nutzt eine ähnliche Funktionalität und integriert eine ausklappbare Schranke in einen Gehstock. Die Schranke klappt auf Knopfdruck aus und soll dazu anregen, den Fuß darüber zu heben.

novapace

An dieser Stelle möchten wir auf unser eigenes Produkt, die novapace-Einlegesohle verweisen. Es handelt sich dabei um ein Paar Sohlen, das in die eigenen Schuhe eingelegt wird. Nach einer individuellen Einstellung wird die Sohle im Alltag getragen. Sie erkennt parkinsontypische Symptome wie das Schlurfen oder Kleinschrittigkeit und gibt in genau dem Moment, in dem das Symptom auftritt, eine Warnmeldung an den/die NutzerIn ab. Diese Warnmeldung, eine merkbare aber nicht störende Vibration direkt in der Sohle, erinnert an das bewusste und korrekte Gehen und ermöglicht so in den Alltag integriertes Gangtraining.

Außerdem kann durch die Vibration Freezing durchbrochen werden:

Je nach Krankheitsstadium kann die novapace-Sohle einen Rollator oder Gehstock natürlich nicht ersetzen, jedoch kann sie problemlos auch in Kombination damit genutzt werden und diese Hilfsmittel somit ergänzen.

Noch ist die Sohle nicht im freien Verkauf erhältlich, doch zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, wenn Sie Interesse an Tests haben. Sie erreichen uns unter info@novapace.de und +4917631281312

Zusammenfassung

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es für viele alltäglichen Aufgaben Hilfsmittel gibt, die den Alltag von Betroffenen von Parkinson vereinfachen können. Welches davon einem selbst hilft muss letztendlich jede/-r für sich entscheiden. Bei der Entscheidungsfindung helfen kann jedoch in jedem Fall der Austausch mit anderen Betroffenen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass natürlich nicht alle Kosten für solche Hilfsmittel selbst getragen werden müssen. Bei einigen Hilfsmitteln bieten die Krankenkassen (Teil-)Erstattungen an. Die Voraussetzung dafür ist, dass das entsprechende Hilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist. Leider sind nicht alle der genannten Hilfsmittel dort eingetragen und gerade Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind hiervon häufig ausgeschlossen. Wir von novapace arbeiten daran, dass bei Markteintritt auch unsere Einlegesohlen ins Hilfsmittelregister eingetragen sind und somit die Kosten dafür von den Krankenkassen getragen werden.

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