Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung von Morbus Parkinson

Möglichkeiten der medikamentösen Behandlung von Morbus Parkinson

Welche Möglichkeiten der Therapie gibt es überhaupt nach der Diagnose Morbus Parkinson? Welche Vor- und Nachteile haben diese? Gibt es Alternativen zu den üblichen Medikamenten? Und was tut sich in der Forschung in diesem Gebiet?
Zu all diese Fragen werden in den folgenden Absätzen Antworten und damit ein Überblick über Chancen und Risiken der Medikation bei Parkinson präsentiert.

Schon in unserem ersten Blog-Beitrag Diagnose Parkinson – Was jetzt Diagnose Parkinson – Was jetzt? wurde ein kurzer Überblick über Behandlungsoptionen gegeben. Dieser soll nachfolgend erweitert werden:
Nach der Diagnose Parkinson erfolgt meist eine medikamentöse Behandlung. Zusätzlich wird häufig Bewegungstherapie angeordnet. Auch Tiefe Hirnstimulation (kurz: THS bzw. DBS nach dem englischen “Deep Brain Stimulation”) findet bei einigen Betroffenen Anwendung.

Behandlung mit Medikamenten

Die Behandlung mit Medikamenten kann zwar Beschwerden lindern, jedoch ist Morbus Parkinson bis heute nicht heilbar. Die Medikamente setzen grundsätzlich dort an, wo Parkinson die Betroffenen einschränkt: Durch die Erkrankung herrscht ein Dopaminmangel im Gehirn, der das “Versenden von Nachrichten” stört. Die drei üblichsten Medikamente Levodopa, Dopaminagonisten und MAO-B-Hemmer versuchen diesem Mangel entgegenzuwirken. 

Levodopa (L-Dopa) ist das wohl üblichste Medikament in der Behandlung von Parkinson. Es ist sozusagen ein Dopamin-Ersatzstoff, also ein Stoff, der im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. 

Dopaminagonisten sorgen für eine Anregung der Rezeptoren im Gehirn, die zur Dopaminaufnahme verantwortlich sind. Dadurch nehmen die Rezeptoren das vorhandene Dopamin besser auf, das Vorhandene wird also besser/mehr genutzt. 

MAO-B-Hemmer blockieren den natürlichen Abbau von Dopamin im Gehirn und sorgen somit dafür, dass das vorhandene Dopamin länger genutzt wird. 

Alle drei Optionen der medikamentösen Behandlung werden meist in Tablettenform eingenommen. Eine regelmäßige und pünktliche Einnahme ist dabei besonders wichtig. Um diese sicherzustellen können Smartphone-Apps mit Erinnerungen oder einfache Notizzettel helfen. Auch die Einnahme über Pflaster oder Pumpen statt Tabletten kann sinnvoll sein um eine gleichmäßigere Einnahme zu erreichen. 

Leider haben die Medikamente auch Nachteile. Ihre Wirkung ist, genau wie die damit verbundenen Nebenwirkungen, sehr individuell. Eine Verbesserung des Zustands der Betroffenen tritt oft erst nach mehreren Wochen ein und bestimmte Symptome wie das typische Zittern sind nicht immer behandelbar, teilweise erst nach einigen Jahren medikamentöser Behandlung. 
Im Rahmen einer Langzeitbehandlung mit Medikamenten ist außerdem zu beobachten, dass die Wirkung der Medikamente mit der Zeit nachlässt.

Insbesondere die Nebenwirkungen der Medikamente unterscheiden sich stark. Während bei L-Dopa Übelkeit, Schwindel, Depression, Verwirrtheit und Bewegungsstörungen häufig auftreten, sind die Nebenwirkungen der Dopaminagonisten noch schwerwiegender: Wassereinlagerungen, Müdigkeit, Verstopfung, Schwindel, Halluzinationen und Übelkeit sorgen dafür, dass die Medikation häufig abgebrochen wird. Dagegen wirken die Nebenwirkungen der MAO-B-Hemmer mit Bauchschmerzen, Erbrechen und Gewichtsverlust weniger gravierend. 

Der Grund, warum trotzdem vor allem L-Dopa, sowie die Dopaminagonisten verschrieben werden liegt in ihrer Wirksamkeit: Beide sorgen für messbar höhere Lebensqualität bei den Betroffenen. MAO-B-Hemmer sind besonders im Anfangsstadium der Erkrankung hilfreich, in späteren Stadien ist einfach zu wenig Dopamin im Gehirn vorhanden, sodass sie kaum Wirkung zeigen. Die Dopaminagonisten helfen besser bei Bewegungsstörungen wie Freezing als L-Dopa, dieses geht demgegenüber mit weniger gravierenden Nebenwirkungen einher.

Zusammenfassend gilt wie immer: Behandlung, insbesondere medikamentös, ist sehr individuell. Wirkung und Nebenwirkungen sind abhängig vom Alter, den Lebensumständen, den auftretenden Symptomen, dem Krankheitsstadium, sowie ggf. möglichen weiteren Erkrankungen

Alternativen/Ergänzungen zur Medikation

Leider gibt es keine Alternativen zur Medikation bei Parkinson. Meist wird die Erkrankung so spät diagnostiziert, dass man um eine medikamentöse Behandlung nicht herum kommt. Dennoch gibt es Ergänzungen, die die Wirkung der Medikamente verstärken oder ergänzen. Dies sind insbesondere Hirnschrittmacher und Bewegung. Zum Thema Bewegung bei Parkinson haben wir bereits in einem ausführlichen Blog-Beitrag berichtet, an den wir an dieser Stelle verweisen: Bewegung mit Parkinson

Der Hirnschrittmacher hingegen erhielt bisher noch kaum Erwähnung in unseren Beiträgen. Die Tiefe Hirnstimulation, auch THS oder DBS, vom englischen Deep Brain Stimulation, verspricht schon heute deutlich verbesserte Lebensqualität, insbesondere in Kombination mit passender Medikation. Der Eingriff zum Anbringen des Geräts ist jedoch aufwendig und gefährlich, da es sich dabei um eine Operation direkt am Zwischenhirn handelt. Folgen von Komplikationen oder Wundinfektionen sind daher bei diesem Eingriff besonders schwerwiegend. Daher wird heute trotz der Erfolgsversprechen häufig auf Hirnschrittmacher verzichtet. 

Ausblick

Sowohl im Bereich der Medikation, als auch in Bewegungstherapie und bei der DBS wird ständig weiter geforscht. Im Bereich der experimentellen Therapien wird zurzeit versucht, den Ursprung der Parkinsonerkrankung zu finden und sie genau dort zu behandeln. 

In der DBS versprechen neue Geräte höhere Flexibilität mit besserer Steuerung des Reizstroms und flexiblerer Reaktion auf neuronale Aktivität. In Kombination mit speziellen Medikamenten wird so beispielsweise die neuronale Aktivität gezielt manipuliert. Hier besteht großes Potenzial für verbesserte Wirksamkeit, geringere Nebenwirkungen und allgemein zur Behandlung neurologischer Erkrankungen. 

Doch auch im Bereich der Bewegungstherapie gibt es ständig neue Ansätze. Neben den klassischen betreuten Therapiemethoden rücken immer stärker auch Themen wie Teletherapie oder Training im Alltag in den Fokus. Genau an diesem Punkt setzen auch wir von novapace mit unserer Einlegesohle zum Gangtraining im Alltag, speziell für Parkinsonerkrankte, an. 

https://www.physiology.org/doi/full/10.1152/jn.00281.2015

https://www.gesundheitsinformation.de/medikamentoese-behandlung-bei-parkinson-krankheit.2226.de.html?part=behandlung-bp

https://www.parkinson-aktuell.de/behandlung-von-parkinson/medikamentoese-therapie-von-parkinson

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/parkinson-hirnschrittmacher-hilft-besser-als-medikamente-a-883163.html

https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/experten-prophezeien-neue-parkinson-therapien-11254/

Hilfsmittel im Alltag mit Parkinson

Hilfsmittel im Alltag mit Parkinson

Viele Menschen mit Parkinson können heute, gerade in Frühphasen der Erkrankung, ein ganz normales Leben führen. Trotzdem sehen sie sich im Alltag und bei vermeintlich einfachen Tätigkeiten häufig größeren Problemen ausgesetzt als Menschen ohne Parkinson.

Um trotzdem Autonomie im Alltag zu erhalten gibt es zahlreiche Hilfsmittel speziell für Parkinsonerkrankte. Diese lassen sich grob in zwei Kategorien aufteilen: Hilfsmittel für Alltagsaufgaben und -tätigkeiten wie Essen, Trinken, Anziehen oder Waschen und Hilfsmittel im Mobilitätsbereich. Für beide Kategorien erfolgt nachfolgend eine Übersicht über erhältliche Hilfsmittel.

Die nachfolgend genannten Links zu Produkten stellen keine konkreten Empfehlungen dar, sondern sollen lediglich dazu dienen, eine bessere Vorstellung von der Art der genannten Produkte zu erhalten.

Alltag

Für viele der kleinen Alltagstätigkeiten gibt es Hilfsmittel, die speziell auf die Symptome von Parkinsonerkrankten zugeschnitten sind.

Essen

Essen und Trinken sind für viele Menschen nicht nur einfache Nahrungsaufnahme, sondern häufig mit sozialem Kontakt und vor allem mit Genuss verbunden. Doch gerade beim Essen stört der bei Parkinson häufig auftretende Tremor besonders.

Der Gyenno Löffel zum Ausgleich des Tremors

Hierfür gibt es allerdings einige Hilfsmittel. Einfache Besteck-Griffe können bereits für bessern Halt und einfacheres Greifen sorgen. Spezielle Löffelaufsätze, die schon für weniger als 15 € erhältlich sind, erhöhen die Kanten eines Löffels und sorgen so für geringere Gefahr des Überlaufens trotz Tremor. Weiterhin gibt es High-Tech-Produkte wie den Gyenno Spoon, einen Löffel, der das Zittern ausgleicht und so unbeschwertes Essen verspricht. Dieser ist jedoch preislich mit fast 250 € nicht für jede/n erschwinglich.

Sonstige

Auch bei der Essenszubereitung kann es durch den Tremor zu Problemen kommen. Hier können rutschfeste Unterlagen helfen. Auch Deckelöffner, die das Öffnen von Gläsern oder Flaschen mit Schraubverschluss vereinfachen können unterstützen, indem sie das Öffnen über einen Griff ermöglichen. Solche Deckelöffner sind schon für unter 10 € erhältlich.

Außerdem gibt es Knöpfhilfen für circa 10 €, also Griffe mit Metallschlaufen, die ein Greifen und Durchführen von Knöpfen durch die Knopflöcher erleichtern sollen. Diese gibt es sogar mit Haken an der Unterseite des Griffs, sodass auch Reißverschlüsse einfacher greifbar sind.

Die LockAid Schlüsselhilfe im Einsatz

Auch der LockAid Keyturner ist ein sinnvolles Hilfsmittel für den Alltag. Es handelt sich dabei um eine trichterförmige Erweiterung, die um ein Schlüsselloch angebracht werden kann. So wird es einfacher, das Schlüsselloch trotz motorischer Einschränkungen zu treffen. Er ist für umgerechnet 17 € in einem Online-Shop erhältlich.

Mobilität

Zusätzlich zu den motorischen Einschränkungen stellen neue Umstände in Bezug auf Mobilität häufig große Probleme bei Parkinson dar. Der parkinsontypische Gang wurde bereits im Rahmen der Symptome in http://novapace.de/krankheitsstadien-und-symptome-bei-morbus-parkinson/ vorgestellt. Auch Freezing wurde in diesem Beitrag bereits erwähnt. Nachfolgend wird auf beide Themen getrennt eingegangen, da sie auch unterschiedliche Unterstützung erfordern.

Mobilität

  • Gerade in der Anfangsphase können Nordic Walking Stöcke dabei helfen, große gleichmäßige Schritte zu machen. Sie fördern den bewussten Armschwung und den aufrechten Gang, geben Sicherheit und motivieren zur Nutzung eigener Ressourcen.
  • Rollatoren oder Gehstöcke hingegen bieten zwar ebenfalls Sicherheit und sind durchaus als Gehhilfe zu sehen, sie sind in Hinblick auf das bewusste und aufrechte Gehen jedoch ungeeignet. Eher sorgen sie dafür, dass man sich auf das Gerät aus Sicherheitsgründen verlässt und damit davon abhängig macht. Außerdem schränken gerade Rollatoren in einer Phase, in der sie noch nicht erforderlich sind, eher die Mobilität ein als sie zu fördern. In Krankheitsphasen mit deutlich eingeschränkter Mobilität hingehen ergibt es durchaus Sinn, Sicherheit durch einen Rollator zu gewinnen um überhaupt mobil zu sein.
  • Weiterhin können auch Treppenlifte zu Hause helfen, die Sturzgefahr beim Treppensteigen zu minimieren. Dies ist jedoch mit hohen Investitionen verbunden und hilft nur im eigenen Zuhause.
  • Auch Smartphone-Applikationen wie das Beats Medical System können unterstützen. Die App gibt durch akustische Signale einen Rhythmus beim Gehen vor und ermöglicht so Gangtraining. Jedoch ist die Nutzung immer an eine entsprechende Umgebung gebunden, die die Lautstärke zulässt. Alternativ müssen Kopfhörer getragen werden, die wiederum soziale Interaktion und Alltag einschränken.

Freezing

Das Freezing schränkt die Mobilität als Bewegungsstarre besonders ein. Um es zu durchbrechen helfen Impulse oder Rhythmen. Nachfolgend werden vier Geräte vorgestellt, die dies leisten und so im Alltag unterstützen sollen.

Path Finder von Walk with Path
  • Das Walk With Path System (532 €) wird an den Schuhen befestigt und projiziert Laser-Linien auf den Boden vor die Füße. So werden bei jedem Schritt optische Schranken auf dem Boden dargestellt, die es zu übertreten gilt. Diese sollen helfen, die Kleinschrittigkeit auf Dauer zu verhindern und und Freezing zu durchbrechen.
  • Der Parkinson Rollator (959 €) nutzt eine vergleichbare Technologie und projiziert ebenfalls eine Lichtschranke auf den Boden. Diese läuft jedoch nicht dauerhaft, sondern wird auf Knopfdruck im Falle von Freezing aktiviert. Der/die NutzerIn ist also selbst für den Impuls zum Durchbrechen von Freezing verantwortlich.
  • Auch der Anti-Freezing Stepper soll dabei helfen Freezing zu durchbrechen. Dazu wird zwischen die Räder eines Rollators ein Modul (circa 250 €) mit sogenannten Paddeln angebracht. Dabei handelt es sich um Metallplatten, auf die bei auftretendem Freezing getreten werden soll.
  • Der Anti-Freezing Gehstock nutzt eine ähnliche Funktionalität und integriert eine ausklappbare Schranke in einen Gehstock. Die Schranke klappt auf Knopfdruck aus und soll dazu anregen, den Fuß darüber zu heben.

novapace

An dieser Stelle möchten wir auf unser eigenes Produkt, die novapace-Einlegesohle verweisen. Es handelt sich dabei um ein Paar Sohlen, das in die eigenen Schuhe eingelegt wird. Nach einer individuellen Einstellung wird die Sohle im Alltag getragen. Sie erkennt parkinsontypische Symptome wie das Schlurfen oder Kleinschrittigkeit und gibt in genau dem Moment, in dem das Symptom auftritt, eine Warnmeldung an den/die NutzerIn ab. Diese Warnmeldung, eine merkbare aber nicht störende Vibration direkt in der Sohle, erinnert an das bewusste und korrekte Gehen und ermöglicht so in den Alltag integriertes Gangtraining.

Außerdem kann durch die Vibration Freezing durchbrochen werden:

Je nach Krankheitsstadium kann die novapace-Sohle einen Rollator oder Gehstock natürlich nicht ersetzen, jedoch kann sie problemlos auch in Kombination damit genutzt werden und diese Hilfsmittel somit ergänzen.

Noch ist die Sohle nicht im freien Verkauf erhältlich, doch zögern Sie nicht uns zu kontaktieren, wenn Sie Interesse an Tests haben. Sie erreichen uns unter info@novapace.de und +4917631281312

Zusammenfassung

Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es für viele alltäglichen Aufgaben Hilfsmittel gibt, die den Alltag von Betroffenen von Parkinson vereinfachen können. Welches davon einem selbst hilft muss letztendlich jede/-r für sich entscheiden. Bei der Entscheidungsfindung helfen kann jedoch in jedem Fall der Austausch mit anderen Betroffenen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen.

Abschließend bleibt noch zu sagen, dass natürlich nicht alle Kosten für solche Hilfsmittel selbst getragen werden müssen. Bei einigen Hilfsmitteln bieten die Krankenkassen (Teil-)Erstattungen an. Die Voraussetzung dafür ist, dass das entsprechende Hilfsmittel im Hilfsmittelverzeichnis gelistet ist. Leider sind nicht alle der genannten Hilfsmittel dort eingetragen und gerade Gegenstände des täglichen Gebrauchs sind hiervon häufig ausgeschlossen. Wir von novapace arbeiten daran, dass bei Markteintritt auch unsere Einlegesohlen ins Hilfsmittelregister eingetragen sind und somit die Kosten dafür von den Krankenkassen getragen werden.

Bewegung mit Parkinson

Bewegung mit Parkinson

Inzwischen hat wahrscheinlich jeder schon mal gehört: Bewegung ist gesund. Doch was bedeutet das für Menschen mit Parkinson?

Dieser Frage wird nun nachgegangen. Es folgt ein Überblick darüber, welche Möglichkeiten und Angebote des Sports es speziell für Parkinsonerkrankte gibt und welchen Einfluss Bewegung und Training auf die Erkrankung haben.

Grundsätzlich lässt sich sagen: Bewegung ist für Menschen mit Parkinson sehr wichtig! Regelmäßige körperliche Betätigung hat nicht nur positive Auswirkungen auf die physische, sondern auch auf die psychische Leistungsfähigkeit. Außerdem kann regelmäßiges körperliches Training die Lebenserwartung bei Parkinsonerkrankten erhöhen. Nicht zuletzt kann es auch die Lebensqualität erhöhen, indem Muskelsteifigkeit verringert werden können und gar der Krankheitsverlauf potenziell abgemildert werden kann. Durch Übungen kann der Körper außerdem lernen, krankheitsbedingte Symptome zu kompensieren

Je früher desto besser!  

Wer schon vor der Diagnose Sport gemacht hat, sollte versuchen, diesen auch weiterhin auszuführen. Die Diagnose Parkinson muss nicht zwangsweise das Ende der gern ausgeführten Sportart bedeuten. Vielmehr sollte man sich als Betroffene/r fragen: Was muss ich eigentlich können, um meinen Lieblingssport auszuüben? Was fehlt mir aktuell dazu? Was kann ich tun um genau daran zu arbeiten? Oder kann ich das vermeintliche Defizit vielleicht sogar anders kompensieren (durch kleine Anpassungen der Schwierigkeit, Hilfsmittel, etc.)?

Wer diese Fragen für sich selbst beantwortet, natürlich auch in Rücksprache mit MedizinerInnen und Physio- oder ErgotherapeutInnen, der kann im Idealfall genau da weitermachen, wo er/sie auch vor der Diagnose stand: beim Lieblingssport.

Welche Sportarten eignen sich?

Jede körperliche Betätigung ist besser als keine Bewegung. Wie schon erwähnt, sollte daher ein bereits vor der Diagnose ausgeübter Sport, wenn möglich, auch weiterhin betrieben werden. Trotzdem gibt es natürlich krankheitsbedingte Einschränkungen und Besonderheiten:

Abhängig von Krankheitsstadium und den damit verbundenen körperlichen Beeinträchtigungen eignen sich bestimmte Sportarten besonders. Im Anfangsstadium sind zum Beispiel Ausdauersportarten wie Schwimmen und Nordic Walking oder auch Koordinationssport wie Tanzen sinnvoll. In späteren Stadien bieten sich beispielsweise Heimtrainer, Wassergymnastik oder leichtes Krafttraining an. Auch spezielle Sportprogramme für Parkinsonerkrankte, wie LSVT BIG oder spezielle Physiotherapie sind sinnvoll. Hier bieten sich insbesondere sogenannte aktivierende Therapien an. Eine Übersicht über einige der speziellen Trainingsprogramme für Parkinsonbetroffene finden Sie unter http://www.leben-mit-parkinson.de/alltag/bewegung/.

Nordic Walking und Wandern sind meist auch bei Parkinson ein geeigneter Sport

All diese speziellen Programme sind jedoch nur dann sinnvoll, wenn Sie als Betroffene/r auch Spaß daran haben. Nur das langfristige Trainieren sorgt auch für langfristige Erfolge. Daher sollte der durchgeführte Sport Spaß machen und durch Erfolgserlebnisse motivieren. Nicht zu verachten sind dabei auch Gruppendynamiken: Durch Sport in Gruppen bildet sich ein Gemeinschaftsgefühl, man wird motiviert und hat zusätzlich dazu die Möglichkeit, sich mit anderen auszutauschen. Je nach Stadium der Erkrankung bieten sich spezielle Sportgruppen für Parkinson an, die Sie am besten über lokale Sportvereine, Krankenkassen oder Selbsthilfegruppen finden.

Doch auch abseits der speziellen Sportprogramme für Parkinsonerkrankte können Sie als Betroffene/r tätig werden. Dabei sollten Sie immer die mögliche Verletzungsgefahr im Blick behalten und sich selbst und Ihre Fähigkeiten betrachten. Achten Sie darauf, dass Sportarten im Stand mit höherer Gefahr und höheren Anforderungen an das Gleichgewicht verbunden sind. Unter Berücksichtigung Ihrer eigenen Kompetenzen und der Anforderungen der Sportart können auch vorerst unpassend wirkende Sportarten wie die Kampfsportart Tai Chi, Radfahren oder gar Parcours für Sie genau das Richtige sein.

Individualität

Zu beachten ist bei alledem jedoch immer: Jeder Mensch ist anders. Da sich zusätzlich auch noch jede Parkinson-Erkrankung bei jeder/m anders äußert, muss bei der Auswahl von Sportart und Training sehr individuell gehandelt werden. Das Training sollte basierend auf der Tagesform und der Entwicklung von Fähigkeiten und Möglichkeiten des/der Einzelnen individuell anpassbar sein, sodass Ausbaustrategien zu den vorhandenen Fähigkeiten integriert werden können. Weiterhin ist es wichtig, weder zu unter- noch zu überfordern.

Um all das zu gewährleisten, sollte gemeinsam mit den behandelnden ÄrztInnen und PhysiotherapeutInnen eine geeignete Sportart und Intensität besprochen werden. Dabei sollten Sie selbst mit Ihren individuellen Vorlieben und Fähigkeiten im Fokus stehen.

Dranbleiben!

Sie merken also: Bewegungstraining muss nicht langweilig sein. Am besten und besonders langfristig Erfolg versprechend ist es, wenn der Sport eingebunden in konkrete Aufgaben (Parcours, Tanzen, etc.) oder Wettstreitszenarien (Teamsport, eigene Ziele o.ä.) ist.

Also suchen Sie sich das Bewegungstraining, das am besten zu Ihnen passt, bleiben Sie dran und vor allem: Haben Sie Spaß!

Und wie immer gilt natürlich: Zögern Sie nicht uns bei Fragen zu kontaktieren unter info@novapace.de

https://www.parkinson-aktuell.de/leben-mit-parkinson/sport-und-bewegung-bei-parkinson

http://www.leben-mit-parkinson.de/alltag/bewegung/

https://www.thieme.de/de/neurologie/parkinson-krankheit-bewegung-reinste-medizin-114054.htm

https://www.morbus-parkinson-aktuell.de/leben-mit-parkinson#sport

Parkinson – Eine Belastung für Angehörige?

Parkinson – Eine Belastung für Angehörige?

Krankheiten verändern Menschen. Doch nicht nur die Erkrankten, sondern auch die Angehörigen sind davon betroffen. Gerade Parkinson beeinträchtigt häufig neben den Erkrankten selbst auch Familie und Freunde. Doch wie geht man damit um? Und was genau ist eigentlich so belastend?

Nachfolgend stellen wir Ihnen die Hauptgründe für Belastung der Angehörigen vor und präsentieren neun Tipps zum Umgang mit Parkinson im persönlichen Umfeld.

Was ist für Angehörige eigentlich belastend an Parkinson?

Vorab erst einmal die Information: Nicht alles an der Erkrankung ist belastend. Und doch können einige der Symptome von Morbus Parkinson, sowie manche Nebenwirkungen der Medikamente, für erschwerte Bedingungen für alle Betroffenen sorgen.

Zu diesen Symptomen gehören einerseits Verlangsamung und Mühsamkeit der Motorik, Muskelsteifheit und das Tremor-Zittern. Doch auch psychische Veränderungen wie depressive Verstimmungen, Ängstlichkeit und in manchen Fällen auch Demenz stellen potenzielle Probleme dar. Auch kognitive Defizite können für Konflikte sorgen.

Dazu kommen, wie bereits erwähnt, Nebenwirkungen der Medikamente, wie beispielsweise Halluzinationen.

Weiterhin gibt es Krankheitssymptome wie den veränderten Sexualtrieb oder Schlafstörungen, die gerade Paare stark belasten können. Hier sind die PartnerInnen sogar aktiv betroffen.

Wie geht man mit diesen Belastungen um?

Meist übernehmen gerade in der Anfangsphase die Partnerin oder der Partner, häufig auch Kinder oder entferntere Verwandte und/oder FreundInnen die Pflege. Das ist für den Anfang auch gut so: Die Krankheit schreitet langsam voran und es wird nicht immer direkt professionelle Pflege benötigt. Dabei gilt es jedoch, ein paar Dinge zu beachten:

  1. Eine frühzeitige, zu starke Entlastung der/des Erkrankten sollte vermieden werden. Als Pflegende/r kommt man schnell an seine Grenzen, wenn man der/dem Gepflegten schon von Anfang an alle Aufgaben abnimmt. Nehmen Sie immer nur das Nötigste ab und lassen Sie Freiräume und Selbstständigkeit.
  2. Wenn möglich, sollte eine 24-Stunden-Bereitschaft der/des Pflegenden verhindert werden. Die Belastung durch eine dauerhafte Alarmbereitschaft ist nicht zu unterschätzen; als Betroffene/r gilt es: Auszeiten nehmen und Aufgaben an andere vergeben.
  3. Versuchen Sie als Pflegende/r die Erkrankung zu verstehen. Informieren Sie sich und machen Sie sich bewusst, was geht und was nicht. Hier können Selbsthilfegruppen und Gespräche mit ÄrztInnen unterstützen. Durch das Verständnis für die Krankheit können Sie auftretende Symptome besser einordnen und Missverständnisse vermeiden: Zum Beispiel kann eine beeinträchtigte Mimik zum üblichen Symptom der versteinerten Miene führen, was dann häufig wegen des ausbleibenden Lächelns zum Dank als fehlende Wertschätzung aufgefasst wird.
    Auch die Unterschiede in der Ausprägung von Parkinson zwischen On- und Off-Phasen sollten genau wie der richtige Umgang damit bekannt sein.
  4. Geben Sie den Erkrankten Zeit. Durch die Erkrankung ist vieles verlangsamt. Das heißt nicht, dass die/der Erkrankte die Aufgabe gar nicht mehr erfüllen kann. Sie sollten Arbeit nur abnehmen, wenn es nicht anders geht. Sonst wirkt ein Eingreifen oft demotivierend, beeinträchtigt die Selbstständigkeit und fördert dadurch Passivität und den emotionalen sowie körperlichen Rückzug.
  5. Seien Sie gemeinsam aktiv. Vielleicht finden Sie eine Sportart, die beiden Spaß macht. Oder Sie gehen gemeinsam spazieren. Motivieren Sie die/den Erkrankten zu Aktivität, Bewegung und Selbstständigkeit.
  6. Hinterfragen Sie als Pflegende/r immer wieder die Gesamtsituation: “Kann und will ich die Situation so weiterführen wie bisher? Brauche ich Hilfe?” Die Frage, ob man sich Hilfe sucht sollte auch für die Angehörigen kein Tabu sein.
  7. Suchen Sie sich auch als Angehöriger Unterstützung. Es ist keine Schande, bei weiteren Angehörigen um Hilfe zu bitten, sie stärker einzubinden. Schon das Abnehmen einfacher Aufgaben, wie Einkäufe oder Unterstützung bei der Haushaltsplanung, kann Wunder bewirken. Auch psychologische Betreuung und Parkinson-Selbsthilfegruppen können dabei helfen, dass man sich mit seiner Last nicht allein und überfordert fühlt. Bei Portalen wie https://www.pflegen-und-leben.de/pflegen-und-lebende.html finden Betroffene ebenfalls Unterstützung.
    Ganz allgemein gilt: Die Last auf möglichst viele Schultern verteilen.
  8. Kommunikation ist der Schlüssel. Vermeiden Sie übertriebene Rücksichtnahme. Stattdessen sollten Sie eher darüber reden, was konkret an Arbeit abgenommen werden soll und was nicht. Sprechen Sie offen über Konflikte. Reden Sie auch mit Freunden und/oder weiteren Angehörigen über Konflikte und die Belastung und den Druck für Sie selbst.
  9. Achten Sie als Pflegende/r auf sich selbst! Vergessen Sie bei all dem Unterstützen, Organisieren und Helfen nicht sich selbst. Die Gefahr für Sie als Angehörige, an einem Burn-Out zu erkranken ist real und sollte nicht vernachlässigt werden. Gönnen Sie sich Auszeiten, nehmen Sie sich selbst den Druck und versuchen Sie, Hobbies nachzugehen und auch noch ein eigenes Leben zu führen! Und vergessen Sie nicht: Sie sind nicht allein.

Sie sehen: Es gilt, vieles zu beachten und bewusst zu handeln – beziehungsweise nicht zu handeln. Doch am wichtigsten: Vergessen Sie dabei nicht sich selbst.

https://www.parkinson-web.de/content/behandlung/begleittherapie/angehoerigenarbeit/index_ger.html, Dr. med. Ilona Csoti, Chefärztin der Gertrudis-Klinik, Leun-Biskirchen

http://www.leben-mit-parkinson.de/alltag/thema-des-monats/angehoerige/

Krankheitsstadien und Symptome bei Morbus Parkinson

Krankheitsstadien und Symptome bei Morbus Parkinson

Die Erkrankung Morbus Parkinson kennt viele Ausprägungen: Die bekanntesten, Muskelsteifheit, Unbeweglichkeit und Zittern, sind nur einige davon.

Nachfolgend zeigen wir Ihnen eine Übersicht über die am häufigsten auftretenden Symptome und geben Ihnen außerdem eine Einführung in die Hoehn und Yahr Skala, die verschiedene Stadien der Erkrankung unterscheidet. Außerdem stellen wir Ihnen kurz die UPDRS Skala vor, die eine Einstufung der Parkinsonerkrankung anhand verschiedenster Symptome zulässt

Bitte achten Sie darauf, dass beide hier vorgestellten Skalen nicht zur Selbstdiagnose geeignet sind, sondern Ihnen helfen sollen zu verstehen, wie Ihre behandelnden Ärzte und Ärztinnen vorgehen und nach welchen Kriterien Sie Morbus Parkinson kategorisieren und die Schwere der Erkrankung einordnen.

Symptome der Parkinson-Erkrankung

Ein häufig auftretendes Symptom bei Parkinson ist die Muskelsteifheit, auch Rigor genannt. Aufgrund der Erkrankung weist die Muskulatur eine höhere Grundspannung auf. Diese Grundspannung und Steifheit ist auch der Auslöser für die typische gebeugte Körperhaltung.

Die Unbeweglichkeit, auch Akinesie oder Akinese genannt, beschreibt nicht nur die völlige Bewegungsunfähigkeit, sondern auch Bewegungsarmut und die Langsamkeit von Bewegungen. Eine der Folgen der Akinesie ist auch das tpyische versteinert wirkende, maskenhafte Gesicht bei Parkinsonerkrankten.

Das für Parkinson typische Zittern, der Tremor, sorgt für starke Beeinträchtigungen, da es sowohl in Anspannung als auch in Ruhe auftritt.

Folgen von Tremor, sichtbar gemacht durch das Zeichnen einer Spirale [Quelle]

Neben Akinesie, Rigor und Tremor tritt außerdem die Dyskinesie auf. Die Dyskinesie beschreibt unwillkürliche Bewegungen, welche auch als Nebenwirkung der L-Dopa Behandlung auftreten können. Sie kann daher nicht immer der Parkinson-Erkrankung zugeschrieben werden.

Die sogenannte posturale Instabilität beschreibt im Allgemeinen Geh- und Haltungsstörungen. Diese äußern sich bei den Betroffenen meist in kleinen Tippelschritten, welche wiederum zu erhöhter Sturzgefahr führen.

Typische Körperhaltung bei Parkinsonerkrankten im fortgeschrittenen Stadium [Quelle]

Auch Schluck- und Verdauungsstörungen, wie beispielsweise Sodbrennen oder Verstopfungen können auftreten. Blasenfunktionsstörungen sowie Errektionsstörungen treten ebenfalls als typische Symptome auf.

Der Kreislauf Betroffener ist durch Morbus Parkinson ebenfalls beeinflusst. So tritt häufig beim Aufstehen ein starker Blutdruck-Abfall auf, der in Schwindel resultiert und die Gehprobleme weiter verstärkt.

Außerdem belasten Schlafstörungen die Betroffenen meist enorm.

Die meist leiser werdende Stimme sorgt häufig auch für Probleme in der sozialen Interaktion.

In späteren Krankheitsstadien tritt außerdem Freezing auf (englisch für „Einfrieren“). Mit Freezing sind Gehblockaden gemeint, die das Initiieren von Bewegungen, insbesondere beim Gehen erschweren oder gar unmöglich machen.

https://www.parkinson-web.de/content/was_ist_parkinson/symptome/brady__hypo__und_akinese/index_ger.html

http://www.vitanet.de/krankheiten-symptome/morbus-parkinson/symptome

Hoehn und Yahr Skala

Die Hoehn und Yahr Skala wurde 1967 von den amerikanischen gleichnamigen Ärzten veröffentlicht und dient als Standard zur Kategorisierung der Stadien der Parkinsonerkrankung. Heute wird vor allem die modifizierte Skala genutzt, da diese eine genauere Einteilung zulässt.

0 keine Anzeichen der Erkrankung
1 einseitige Symptome
1,5 einseitige Erkrankung, Beteiligung der Körperachse
2 beidseitige Erkrankung ohne Gleichgewichtsstörung
2,5 leichte beidseitige Erkrankung mit Ausgleich beim Zugtest (zur Standsicherheit)
3 leichte bis mäßige beidseitige Erkrankung mit leichter Haltungsinstabilität; PatientIn ist körperlich unabhängig
4 starke Behinderung, PatientIn kann noch ohne Hilfe laufen oder stehen, ist allerdings deutlich eingeschränkt
5 PatientIn kann ohne fremde Hilfe weder laufen noch stehen, ist auf einen Rollstuhl angewiesen oder sogar bettlägerig

Diese Skala kann Ihnen helfen, sich und die Krankheit Morbus Parkinson besser einzuschätzen. So fällt es Ihnen leichter, zu verstehen wie sich die Krankheit entwickelt. Die Einteilung anhand der Skala sollte durch einen Arzt/eine Ärztin vorgenommen werden.

Movement Disorder Society Task Force Report on the Hoehn and Yahr Staging Scale: Status and Recommendations

UPDRS

Die UPDRS (Unified Parkinson’s Disease Rating Scale) dient der Beobachtung des Krankheitsverlaufs bei Parkinson. Durch Interviewfragen zu den parkinsontypischen Symptomen wird eine Punktzahl zwischen 0 und 199 erreicht, wobei 0 keiner Einschränkung und 199 der Erkrankung im Endstadium entspricht.

Bei der Einteilung wird zwischen Symptomen in vier verschiedenen Kategorien unterschieden:

  1. Kognitive Funktionen, Verhalten und Stimmung (z.B. Motivation, Depression, intellektuelle Einschränkung)
  2. Aktivitäten des täglichen Lebens (getrennt nach On/Off Phase, z.B. Handschrift, Schlucken)
  3. Motorik (z.B. Mimik, Sprache oder Ruhetremor)
  4. Komplikationen in der Behandlung (z.B. Häufigkeit von Dyskinesien)

Da die UPDRS sehr umfangreich ist, verzichten wir an dieser Stelle auf eine vollständige Auflistung aller Interviewfragen. Bei Interesse können Sie diese hier nachlesen: https://www.neurologienetz.de/fachliches/skalen-scores/updrs-unified-parkinsons-disease-rating-scale/

Auch hier gilt: Die Einteilung mithilfe der Skala sollte durch eine Ärztin/einen Arzt vorgenommen werden. Eine hohe Punktzahl ist nicht zwangsläufig gleichbedeutend mit einer weit fortgeschrittenen Erkrankung.

Zusammenfassung

Im diesmaligen Blog-Artikel haben Sie einen zugegebenermaßen recht trockenen und sachlichen Überblick über die üblichsten Symptome bei Morbus Parkinson erhalten. Außerdem wurden Sie mit zwei Skalen bekannt gemacht, die Ihre behandelnden ÄrztInnen voraussichtlich nutzen, um den Krankheitsverlauf einzuordnen. So können auch Sie nun besser verstehen, nach welchen Kriterien die Krankheit eingeordnet wird und wie sich das Fortschreiten von Parkinson bemerkbar macht.

Diagnose Parkinson – Was jetzt?

Diagnose Parkinson – Was jetzt?

Nachdem wir Sie in unseren Blogs zum Fortschreiten unseres Projekts regelmäßig auf dem Laufenden halten, starten wir hier und jetzt mit einer neuen Informationsreihe:

Wir schreiben über Parkinson und die Auswirkungen, die die Erkrankung auf die Betroffenen hat:

Die Diagnose Morbus Parkinson wirft viele Betroffene aus der Bahn. Erkrankte und Angehörige sind meist geschockt und wissen nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. Nicht selten werden die Erkrankten aggressiv aus Angst vor dem Ungewissen und Ärger über die neuen Probleme. Dazu kommen dann Nebenwirkungen der einzunehmenden Medikamente wie Halluzinationen und Wahnvorstellungen.

https://www.morbus-parkinson-aktuell.de/angehoerige

Es ist also offensichtlich nicht ganz einfach, weder für die Erkrankten selbst, noch für die Angehörigen. Als Hilfestellung möchten wir hier 3 Tipps geben, wie Sie als Erkrankte/r bzw. Angehörige/r mit der neuen Lebenssituation umgehen können.

1. Immer mit der Ruhe

Kurz nach der Diagnose prasseln die Informationen von allen Seiten nur so auf die Sie ein. Egal ob Sie selbst erkrankt oder eine/r der Angehörigen sind, keiner weiß mit der Situation umzugehen, Arzt und Internet schaffen vermeintliche Abhilfe. Nicht selten endet dies in einer Flut von Informationen, die es noch zusätzlich zur emotional angespannten Situation zu verarbeiten gilt. Nehmen Sie sich die Zeit, alles erst einmal sacken zu lassen.

2. Fakten

Nach dem ersten Schock gilt es, sich einen sachlichen Überblick über die Situation zu verschaffen. Damit dies nicht wieder in einer Überschwemmung an Informationen endet, finden Sie hier einen kurzen Überblick über alles Wichtige:

Die Krankheit:

  1. Parkinson ist (Stand heute, Januar 2019) nicht heilbar, sehr wohl jedoch behandelbar.
  2. Die Lebenserwartung von ParkinsonpatientInnen liegt nicht unter der von gesunden Menschen.
  3. Je früher Parkinson diagnostiziert wird, desto besser.
  4. Die Auswirkung der Krankheit auf Ihren Alltag wird sich vergrößern, die Symptome werden bemerkbarer.

Die Behandlung:

  1. Behandlung durch Medikamente
    • L-Dopa wird verwendet um den verringerten Dopaminspiegel wieder aufzuheben. Die Wirkung von L-Dopa wird bei dauerhafter Einnahme nachlassen, die Dosis muss also immer weiter erhöht werden.
    • häufig wird L-Dopa mit weiteren Medikamenten (wie Decarboxylase-Hemmern) kombiniert, um die benötigte L-Dopa-Menge zu verringern
    • Es gibt Dopamin Agonisten, also Dopamin-Nachahmer, bei denen der Effekt der nachlassenden Wirkung von L-Dopa ausbleibt. Leider ist die Einnahme dieser Medikamente oft mit unschönen Nebenwirkungen wie Bauchschmerzen, Übelkeit oder Psychosen und Schläfrigkeit verbunden.
  2. Behandlung durch Bewegung/Sprachtherapie:
    • Physio- und Ergotherapie, um Bewegungsabläufe zu üben und den Umgang mit ggf. eingeschränkter Beweglichkeit oder eingeschränkten motorischen Fähigkeiten zu bewerkstelligen. Insbesondere ist an dieser Stelle die BIG-Therapie zu nennen, bei der besonders ausladende, große Bewegungen der Verkleinerung der Bewegungen entgegenwirken sollen. Außerdem soll Bewegung bei der Bildung neuer Zellen helfen und unterstützt damit den durch Parkinson herbeigerufenen Verlust der Zellen im Gehirn.
    • Des Weiteren können durch gezielte Übungen und die Integration dieser Übungen in den Alltag beispielsweise auch Stürze vermieden werden
    • Weiterhin gibt es Therapiemethoden wie die Sprachtherapie, bei der gemeinsam mit LogopädInnen Sprachübungen durchgeführt werden um die Koordination von Atmung und Stimmproduktion sowie die Mundbeweglichkeit trainiert werden. So kann frühzeitig dem durch die Krankheit verursachten Stimmwandel entgegengewirkt werden.
  3. Behandlung durch Tiefe Hirnstimulation
    • Die Tiefe Hirnstimulation funktioniert, ähnlich wie ein Herzschrittmacher, in Form eines Hirnschrittmachers, wird allerdings meistens erst in späten Phasen eingesetzt. Durch die tiefe Hirnstimulation kann meist die Dosis L-Dopa deutlich reduziert werden.

3. Der Umgang mit der Erkrankung

Doch was kann man nun wirklich selbst tun, abseits von der Einnahme der Medikamente und konsequentem Bewegen?

Die Parkinson Disease Foundation hat 12 Tipps für Patienten und Angehörige veröffentlicht (siehe Abbildung).

https://www.parkinson-aktuell.de/_up/parkinson_aktuell_de_kopie/images/bb.gif

Sind Ihnen das zu viele, dann haben wir hier für Sie unsere sechs Punkte zum Umgang mit Parkinson aufgelistet:

1. haben Sie Geduld

Seien Sie geduldig mit sich selbst und auch mit Ihren Angehörigen und nehmen Sie sich nicht zu viel vor.

2. Sprechen Sie Probleme und Ängste offen an

Offenheit in Zusammenhang mit der Krankheit hilft beim Umgang damit und unterstützt auch alle Betroffenen dabei, herauszufinden, wie am besten mit Ihnen umzugehen ist.

3. Lernen Sie, die Erkrankung und ihre Folgen zu akzeptieren und glauben Sie an sich selbst.

So schwierig es klingen mag: Parkinson gehört nun zu Ihnen. Lassen Sie sich nicht unterkriegen.

4. Bleiben Sie aktiv

Bewegung und Aktivität ist nicht nur für Ihre körperliche, sondern auch ihre seelische Gesundheit enorm wichtig. Übernehmen Sie sich nicht, schon kurze aber regelmäßige Spaziergänge haben einen großen Einfluss. Sie reisen gern oder treiben gern Sport? Umso besser!

5. Holen Sie sich Unterstützung

Lassen Sie sich helfen. Bei fast allem, was sie alleine nicht schaffen, gibt es Hilfe und es ist keine Schande, sie anzunehmen.

6. Sie sind nicht allein!

Zwar mag die Ausprägung von Parkinson individuell sein, aber die Probleme, die die Krankheit mit sich bringt, sind für viele Betroffene sehr ähnlich. In Selbsthilfegruppen für PatientInnen oder Angehörige können Sie sich genau darüber austauschen und sich Tipps holen. Bauen Sie sich ein Netzwerk der Unterstützung aus Familie, Freunden und Bekannten auf und versuchen Sie auch mal, nicht immer an die Krankheit zu denken, sondern gemeinsame Zeit zu genießen.

Abschließend finden Sie einige Links, damit Sie sich nach eigenem Ermessen vertiefend informieren können:

https://www.parkinson-web.de/content/fuer_angehoerige/index_ger.html

https://www.parkinson-aktuell.de/leben-mit-parkinson/parkinson-angehoerige

http://www.leben-mit-parkinson.de/service/umgang-mit-der-diagnose/

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/parkinson-wenn-nichts-mehr-stillsteht-11042052.html?printPagedArticle=true#pageIndex_0

https://www.morbus-parkinson-aktuell.de/angehoerige