Blog 4 – Zurück in Deutschland oder: Die Suche nach Alltag

Zurück in Deutschland schloss Patrick mal eben noch nebenbei sein Studium ab und fast direkt nach unserer Landung in Frankfurt startete unser EXIST-Förderzeitraum. Was das bedeutete war uns zu dem Zeitpunkt eigentlich klar: Finanz- und Coachingplan für ein Jahr und dann geht’s weiter in die Produktentwicklung. Dass dann am Ende immer alles anders kommt als man denkt, haben wir dann allerdings auch sehr schnell gelernt.
EXIST heißt zwar: Vollzeit im Projekt und finanzielle Möglichkeiten, um es auch voran zu bringen. Es heißt aber auch: Man ist für alles selbst verantwortlich und muss (fast) alles selbst machen. Wenn man sich nicht selbst kümmert, dann passiert auch nichts. Diese Verantwortung zeigt sich dann darin, dass es eben keine Personalabteilung gibt, die sich kümmert, wenn das erste Gehalt zu überweisen vergessen wurde. Oder darin, dass Verhandlungen zu Markenrechten sehr zäh sein können, wenn man keine Erfahrung darin hat. Oder eben auch in Fragen wie: Wann macht eine Grüdung eigentlich Sinn? Man spricht mit sogenannten und teilweise auch echten Experten über Themen, von denen man bisher nur am Rand etwas mitbekommen hat. Und man merkt eben auch, dass ein grober Finanzplan vielleicht nicht ausreicht und Coachings nicht einfach zum Pflücken an Bäumen hängen, sondern man aktiv danach suchen muss.
Zusammenfassend: Es gab viel zu organisieren, viel zu planen und viel zu erledigen. Viele erste Male, die für viel Verwirrung sorgten. Aber auch viele kleine Erfolgserlebnisse. Und vor allem: Viel zu lernen.

Blog 3 – Der August, der uns voran brachte

Blog 3 – Der August, der uns voran brachte

Man kann schon sagen: August 2018 war ein guter Monat für uns. Er begann mit einer Mail des EXIST-Projektträgers und endete mit der Virginia Tech Global Challenge.

Zuerst zur Email: Der Projektträger akzeptierte unsere Nachbesserung im Antwortschreiben und bewilligte als Folge den Förderantrag. Das heißt: Finanzielle Unabhängigkeit, vollen Fokus auf’s Projekt und vor allem: Eine ungeahnte Menge an Verantwortung, Arbeit und Aufgaben, an die man nie vorher einen Gedanken verschwendet hat. Aber dazu dann mehr beim nächsten Blog.

Ende August dann der zweite große Meilenstein innerhalb kürzester Zeit: Unsere erste gemeinsame Dienstreise. Während Studierende der angewandten Therapiewissenschaften der Hochschule Bremen unsere neu entwickelten Prototypen mit ParkinsonpatientInnen in einem Labor zur Bewegungsuntersuchung testeten, stiegen wir in Frankfurt in ein Flugzeug nach Washington DC. Dort erwarteten uns ein paar Nächte im Hotel in Washington selbst, dann ein Busreise ins beschauliche Blacksburg, Virgnina, wo wir dann auf den Wettbewerb vorbereitet wurden.

In insgesamt neun Tagen erlebten wir eine komplett neue Welt in Bezug auf Startups. Wir hörten erfolgreichen Gründern, die ihr erstes Startup Ende der 90er für ein Vermögen verkauften, zu und tauschten uns mit unseren Wettbewerbern aus. Gerade der Kontakt zu den anderen Teams hat uns nochmal enorm motiviert; zu sehen welche Ideen andere haben und mit welchem Enthusiasmus sie an ihrem Projekt arbeiten war einfach ansteckend. Spätestens als wir dann in Virginia unsere Gastfamilie kennenlernten, fühlten wir uns alle wirklich wohl in den USA. Ein gut geplantes Programm aus Workshops und Arbeit an den Präsentationen gemeinsam mit Unternehmen sorgte dann zu allem Überfluss auch noch dafür, dass wir produktiv arbeiten konnten. An dieser Stelle müssen wir auch einfach nochmal OZMO erwähnen. Wir wurden super empfangen, hatten insgesamt drei Mal die Möglichkeit, unseren Vortrag vor Mitarbeitern verschiedener Rangstufen zu üben und das Feedback direkt einzubinden. Dadurch erreichten wir final eine Präsentation, mit der wir wirklich zufrieden waren.

Dass es auch der Jury gefallen würde hatten wir zwar gehofft; beim feierlichen Gala-Dinner zur Preisverleihung erfuhren wir dann, dass sie es sogar sehr mochten. Obwohl wir mit unserem Vortrag wirklich zufrieden waren, waren wir überrascht und überglücklich, die 10.000 $ Preisgeld in unserer Kategorie (Information technology award) zu gewinnen. Das galt es natürlich gebührend zu feiern!

Blog 2 – Bewerbung EXIST und VT Preliminary

Die Bewerbung für das EXIST-Gründerstipendium stellte sich komplizierter heraus als anfangs angenommen.
Wir lasen damals: 25 Seiten Ideenpapier und dachten naiv, das packen wir locker. Letztendlich kamen wir auf über 60 Seiten Material und hatten Probleme, all unsere Gedanken, Überlegungen und Berechnungen in den 25 Seiten unterzubringen. Dazu kam, dass sowohl Patrick als auch ich „nebenbei“ unsere Masterarbeit schrieben und für das Gründungsvorhaben dringend eine dritte Person suchten. Wir erstellten Anforderungsprofile, gingen in Vorlesungen, erstellten Anzeigen auf Onlineportalen und klopften alle Bekannte und Befreundete nach Interesse ab. Und am Ende der Suche war da Lukas, der genau wie wir mit beiden Beinen im Sumpf seiner Masterarbeit versank und trotzdem nach neuen Herausforderungen suchte.
Gemeinsam stellten wir den EXIST-Förderantrag fertig, organisierten parallel eine erste vorklinische Studie mit der Hochschule Bremen, und schickten ihn ab.

Während der langen Wartezeit von EXIST erhielten wir irgendwann eine Email der Virginia Tech University aus Blacksburg, Virginia in den USA. Wir hatten uns mit einer kleinen Ideenskizze im Frühjahr für einen Ideenwettbewerb, die Virtual Preliminary für die VT Global Entrepreneurs Challenge, qualifiziert. Dafür drehten wir dann ein Video und bereiteten eine Präsentation vor. Nach einer weiteren Runde führten dann Patrick und Lukas ein Video-Gespräch mit einer Jury aus den USA.
Mitte des Jahres dann kam die frohe Botschaft: Wir wurden zur VT Global Challenge im August 2018 eingeladen. 10 Tage USA und die Möglichkeit, vor internationalem Publikum unsere Idee vorzustellen und sich mit Teams aus aller Welt um ein Preisgeld zu messen.

Zu einer ähnlichen Zeit erreichte uns dann allerdings auch der erste Dämpfer: Eine Absage vom für uns so wichtigen EXIST-Stipendium. Mit der Möglichkeit auf Nachbesserung des Antrags. Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen und gingen mit einer jetzt-erst-recht-Haltung an das Antwortschreiben heran. Wir nutzten also unsere ursprünglich 60 Seiten, besserten nach und antworteten. Und warteten.

Blog 1 – Idee und erste Schritte

Blog 1 – Idee und erste Schritte

Ein Herzliches Willkommen und schön, dass wir Sie hier als Lesende/n erreichen. Wir, das sind Patrick Scholl, Lukas Braisz und Simon Staffa.

Vor etwa zwei Jahren wurde Patrick auf die alltäglichen Probleme seines an Parkinson erkrankten Großvaters aufmerksam. Insbesondere die ihm bisher unbekannten Gangprobleme überraschten ihn. Wenn sich sein Großvater nicht auf’s Gehen konzentriert, dann neigt er zu kurzen Schritten, bei denen er seine Füße nur wenig vom Boden anhebt. Patricks Großmutter erinnert ihren Partner dann immer und immer wieder daran, bewusster zu gehen und so falsche Haltung und sogar Stürze zu verhindern. Dieses gut gemeinte erinnern ist für beide zeitweise nervenaufreibend und sorgt für Diskussionen.
Patrick als Maschinenbaustudierender dachte sich dann: Da muss man doch was machen können.
So entstand die Idee zu novapace: In eine Einlegesohle integriertes Gangtraining, speziell für ParkinsonpatientInnen.

Ich, Simon, kannte Patrick schon seit den ersten Stunden des Studiums und stieß wenig nachdem er mir von der Idee erzählte dazu.
Wir begannen mit der Prototypentwicklung und fanden in Paul Weber (Link zu Paul) einen Freund, der uns, die wir mitten im Studium steckten, große Teile der Entwicklungsarbeit abnahm.

Mit dem ersten Prototyp machten wir Tests, fanden heraus was wir besser machen können und was wir bisher gar nicht bedacht hatten. Und schon befanden wir uns inmitten der Entwicklung der nächsten Generation von Prototypen.
Irgendwann Ende 2017 sprach Patrick mich an: Simon, wollen wir das Ganze nicht ein bisschen professioneller angehen? Ich möchte meine Masterarbeit über den parkinsontypischen Gang schreiben und die Ergebnisse nutzen, um meinem Opa zu helfen.
Wir entschieden uns recht schnell dazu, uns für das EXIST-Gründerstipendium zu bewerben und wagten damit den ersten Schritt in Richtung Selbstständigkeit.